Kafkas Sommerbrief an Max Bord

Der Beginn des Sommers hat immer etwas Verheißungsvolles. Die leichte, vom Duft der Gräser und Blumen durchtränkte Luft, das Sirren der Grillen und Summen der nach süßem Nektar suchenden Bienen, die wärmenden Strahlen auf der Haut, die lauen Abendnächte, all diese Dinge verändern unsere Wahrnehmung der uns umgebenden Welt und hegen geheime Hoffnungen. Im Reiz des Sommers offenbaren sich unsere Träume und Sehnsüchte. Es ist, als ob diese, irgendwo im Dunkeln unseres Herzens liegend, im Lichte dieser Jahreszeit wie zarte Setzlinge aufkeimen und gedeihen. Gut, dass wir Franz Kafka haben: Einer der ersten Briefe an seinen Freund Max Brod, es ist der vom 29.8.1904, beschreibt die Stimmung an einem Sommeranfang mit seinen Tagträumen, großen Ideen und seinen Zerstreuungen. Doch am Ende des Sommers kehrt die große Ernüchterung ein: Irgendwie ist die Zeit rasend vergangen, am Ende bleibt von den großen Verheißungen nichts mehr übrig, außer der Gewissheit des nächsten Sommers.

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